Die Geschichte des Familiennamens Otterbein

DIE GESCHICHTE DES FAMILIENNAMENS OTTERBEIN

von Ludwig Otterbein, Nieder-Gemünden

Am Nordabhang des Vogelsbergs liegt das über 1200 Jahre alte Dorf Nieder-Gemünden, Sitz der Verwaltung der Großgemeinde Gemünden/Felda. Hier lebt seit 100 Jahren die Familie Otterbein, deren Ursprung bis ins frühe Mittelalter zurückgeht. Anläßlich eines Familientages nach der Seltenheit und Besonderheit meines Namens gefragt, wurde ich gebeten, die Entstehung und den Werdegang dieses Geschlechts einmal kurz zu beschreiben und vorzustellen.

Der hessische Heimat- und Familienforscher Pfarrer Hermann Knodt schrieb mir im Jahre 1962: „Ich begrüße es immer, wenn sich bei alten Familien Mitglieder finden, die sich für Familiengeschichte interessieren und die Bearbeitung in die Hand nehmen“. Diesem Mann, der in der Heimat- und Familenforschung Hervorragendes geleistet hat, verdanke ich viele wertvolle Hinweise. Bei dem Briefwechsel, den ich mit Familienforschern in der Bundesrepublik geführt habe, glaube ich festgestellt zu haben, dass heute noch viele Menschen heimat- und familienverbunden sind und den Wunsch haben, zu wissen, woher ihre Ahnen kamen, wie und wo sie gelebt haben. Aber wenige erforschen die Herkunft ihres Namens und befassen sich wirklich intensiv mit der Familienforschung.

Schwierigkeiten enstehen durch die großen Urkundenlücken, die durch Brände, Kriegseinwirkung usw. entstanden sind. Auch stößt man hier und da auf mangelndes Verständnis. Man glaubt immer noch, Familienforschung sein ein überalteter Begriff, dem ist aber nicht so. Geschichtliches Bewusstsein kann zu keiner Zeit auf Tradition und Kontinuität verzichten, Es steht fest, dass in der Familienkunde auch heute noch wetvolle ujnd zukunftsweisende Arbeit geleistet wird, die der Geschichte und Heimatkunde zugute kommt. Wie hat einst Cicero geschrieben (196-43 v. Chr) geschrieben: „wenn man nicht weiss, was früher geschah, bevor wir geboren wurden, bleibt man ewig ein Kind.“ In diesem Wort liegt viel Wahrheit. Bei meinen Nachforschungen – für mich ale Laie eine schwere Aufgabe – ist mir immer wieder bestätigt worden, dass alle Träger des Namens Otterbein auf den selben Urvater zurückgehen. Die Urheimat der Otterbeins ist der Vogelsberg, hier insbesondere Angersbach, Bas Salzschlirf und Ober Ohmen. In angersbach erscheint der Name zuerst als altes Dorfadelsgeschlecht de (von) Atterbein. Landadelige waren große Bauern, die eigene oder Lehensgüter, in diesem Falle Lehensgüter der Freiherrn Riedesel zu Eisenbach, besaßen. Laut Schanat: Der Fuldaer Lehenshof, Seite 41, erhält 1441 Henrich de Attterbein nach des Vaters Tod dessen Lehen in Angersbach, 1456 erhalten Henne und Martin de Atterbein das selbe, nach Verzich Ihrer Agnaten Konrad und Nikolaus de Atterbein. Als Adelsträger musste Henne de Atterbein im Jahre 1449 über die Rechte der freien Eisenbachschen Männer von Rainrod und Brauer Schwend eine eidliche Aussage machen.

Von hier aus verbreitete sich das Geschlecht in die nähere Umgebung, nach Salzschlirf und nach Ober-Ohmen, in späteren Jahren auch in den Raum Fulda und Schlitz. 1467 war ein Hans Otterbein Riedelselscher Schultheiß in Salzschlirf, 1492 wird ein Lorenz Otterbein in Landenhausen genannt. 1551 wird in Angersbach ein Henn Otterbein mit dem Kramerhof, 1589 ein Weizel Otterbein mit dem Bornträgerhof und ein Heinz Otterbein mit dem Demershof in Verbindung gebracht. 1605 wird ein Henn Otterbein als Schmied daselbst genannt.

1658 begründet der in Salzschlirf geborene „fürstlich fuldische Feld- und Hoftrompeter“ Johannes Otterbein, der in den Dienst des Fürsten zu Dillenburg trat, durch seinen Sohn, den Präzeptor Johann Philipp Otterbein, ein Nassauer Pfarrersgeschlecht; dessen Nachkommen heute noch in Deutschland, Holland und in den USA leben. Ihr Wappen zeigt im Schild eine aus dem Wasser aufsteigende Otter mit einem Knochen im Maul.

Ein Urenkel dieses Johhannes Otterbein, der Philipp Wilhelm Otterbein, studierte in Herborn Theologie und machte am 6. Mai 1748 das «Cand. Examen ». Als Pfarrer in der Grafschaft Berg. Neviges (Düsseldorf), Uckersdorf, Fleisbach, Burg Herborn tätig, wanderte er 1752 nach Nordamerika aus, wo Missionare für deutsche protestantische Emigranten gesucht wurden. Dort wurde er Pfarrer in Langaser, Tulpehoscken, Frederik in Maryland, York in Pensylvania und endlich in Baltimore. Er ist der Gründer einer Kircbe „die Otterbeinleute der United Brethren Kirche“ (Vereinigte Brüder in Christo) und war der zweite Bischof dieser Konfesion. Gegenwärtig zählt man über 400000 Mitglieder dieser Kirche, sie unterhalten ein Kolleg zur Ausbildung im geistlichen Amt. Es ist bekannt als das „Otterbein College“ in Ohio. Philipp Wilhelm Otterbein heiratete am 19. April 1762 in Lancester Susan Le Roy, Tochter von Abraham Le Roy, einem Schweizer Hugenotten,

Entstehung des Namens Otterbein

Über die Entstehung des Namens Otterbein gehen die Meinungen und Mutmaßungen auseinander. Am Wahrscheinlichsten erscheint die von Frau Dr. Gertrud Otterbein-Sandmann, Lauterbach: „Wo zwischen Angersbach und Salzschlirf die Bäche Altfell und Lauter zusammenfließen, hat lange vor der Namensgebung durch die Behörden ein Mann mit seiner Familie gelebt, der neben seiner Tätigkeit als Bauer auch der Jagd auf Fischotter nachging, die es in den dortigen Gewässern in Massen gab, so dass man von einer Otterplage, auch „Otterpein“ sprechen konnte. Diese Tätigkeit, die für die Allgemeinheit von Nutzen war, soll die Behörde veranlasst haben, ihm den Namen Otterpein zu geben.“

So wie sich im Lauf der Jahrhunderte viele Orts- und Familiennamen verändert haben, so hat sich auch der frühere Name Otterpein in den späteren Atterbein und in den jetzigen Otterbein geändert. Mögen auch Angehörige dieses Geschlechts heute außerhalb der Urheimat wohnen, sei es innerhalb der Grenzen Deutschlands oder darüber hinaus, alle Ihre Ahnen kommen aus diesem Gebiet, dem Vogelsberg; sie hatten nur einen Stammvater, und das ist das Seltene und Besondere an diesem Geschlecht.